Die hochfliegende Geschichte der Schweizer Aviatikjournalisten

Die rechte und die linke Presse, ein Oberst und ein Kabarettist

Von Hansjörg Egger 

Die Vereinigung der Schweizer Aviatikjournalisten wächst aus einem Studienzirkel flugbegeisterter Redaktoren heraus. Es ist die Ära nach dem Zweiten Weltkrieg, das anbrechende Düsenzeitalter, das in den Redaktionsstuben auf wachsendes Interesse stösst. Nicht nur die Schnelligkeit der Fortbewegung, die nun die Welt plötzlich kleiner werden lässt, sorgt für Faszination. Fliegen bedeutet auch Ausbruch aus den Jahren der Verzweiflung und Not. Und mit den Flugverbindungen kann die Schweiz die kriegsbedingte Isolation rasch überwinden. Die visionären Journalisten unterstützen zuerst die Bestrebungen, in Dübendorf einen Verkehrsflugplatz zu schaffen und eine nationale Airline zu gründen. Und sind später treibende Kraft, wenn es um den Umzug des aus allen Nähten platzenden Flughafens nach Kloten geht.

In den ersten Nachkriegsjahren ist der Studienzirkel der Aviatikjournalisten noch ein loser Freundeskreis. Seine Gründung ist durch kein schriftliches Dokument belegt. Es gibt aber glaubhafte Hinweise, dass der Zirkel am 19. Mai 1959 im Restaurant Strohhof in  Zürich aus der Taufe gehoben wird. Initiator ist Walter Wehrle, der zu dieser Zeit bei der Sportinformation den Aero-Dienst betreut. Unter den Gründern figurieren Journalisten verschiedenster Couleur. Es sind Redaktoren der NZZ, des Bundes, der TAT, des Volksrechts, des Tages-Anzeigers und der National Zeitung. Auch ein Oberst und ein Kabarettist gehören zu den Gründungsvätern. Doch eines ist all diesen Männern gemeinsam – die Begeisterung für die Fliegerei. Lange Zeit kommt man ohne Statuten, Wahlen und Jahresbeiträge aus. Mitglied kann man nur auf Einladung werden. Es gelten strengste Aufnahmekriterien.

Als „Zürich“ noch in Dübendorf war. Das denkmalgeschützte Aufnahmegebäude und die Schalterhalle bestehen noch.

Und so sah es damals auf dem Vorfeld des Flughafens Zürich in Dübendorf aus.

 

Nach dem Umzug nach Kloten. Hochbetrieb auf dem Tarmac des neu eröffneten Flughafens.

 Taufflüge, Werkflüge, Eröffnungsflüge

Jackie und Ted Kennedy, Kaiserin Farah und der Schah.

Die Beatles beim Zwischenstopp in Zürich.

Eine der ersten Auslandreisen geht im Oktober 1960 zur westdeutschen Luftwaffe. Wenig später wagt man sich hinter den Eisernen Vorhang in einen ungarischen Fliegerhorst. Das ist für beide Seiten ein grosses Ereignis, das abends mit viel Wodka gebührend begossen wird. Ansonsten ist man vornehmlich bei Veranstaltungen des Flughafens Zürich und der Swissair zu Gast. Und man wohnt auf Einladung der Luftwaffe auf der Ehrentribüne den grossen Flugmeetings bei und erlebt das spektakuläre Fliegerschiessen auf der Axalp. Für viele gehört auch der Besuch der bedeutendsten Luft- und Raumfahrtschauen in Le Bourget oder Farnborough zum jährlichen Pflichtprogramm. Hier pflegt man Kontakte mit der Industrie und verfolgt die Entwicklung auf dem Flugzeugmarkt. Und die Aviatikjournalisten reisen regelmässig zu den grossen Flugzeugwerken wie McDonnell Douglas, Boeing, Airbus, SAAB, Fokker oder British Aerospace. Einerseits ist die Luftfahrtindustrie an einem regen Austausch mit den Fachjournalisten interessiert, anderseits laden auch die Airlines ein, um ihren Service und ihre Produkte einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. So kommt es, dass sich die Fliegerjournalisten der zahlreichen attraktiven Einladungen zuweilen kaum erwehren können. Mehr und mehr wird auch der Flughafen in Kloten zu einem attraktiven Mittelpunkt des Weltgeschehens. Politprominenz und die Schönen und Reichen drapieren sich auf den Flugzeugtreppen für die Fotografen. Seien es das glamouröse iranische Herrscherpaar, Jackie und Edward Kennedy oder die „langhaarigen Yeah-Yeah-Schreier“ aus Liverpool, die den ausser Rand und Band geratenen Fans auf der Zuschauerterrasse zuwinken. Dann kommt die Zeit, als NZZ-Redaktor Erich Meier die Geschicke der Vereinigung leitet. Er, der allzu früh verstorbene Aviatiksachverständige, dem für sein grosses publizistisches Schaffen 1994 postum der Anerkennungspreis der Stiftung Pro Aero verliehen wird. Es sind Werkflüge, Erstflüge mit neuen Maschinen, Überführungsflüge, Eröffnungsflüge und die stürmisch wachsende Zahl neuer Destinationen, die uns immer weiter in die Welt hinaus tragen und Stoff liefern für packende Geschichten. Selektiv bieten Air France und British Airways SAJ-Journalisten auch Gelegenheit für Überschallflüge mit der legendären Concorde. Und nicht zu vergessen die vielen einzigartigen Taufflüge, bei denen die geladenen Behörden- und Medienvertreter mit den Grossraumjets durch die Schweizer Gebirgstäler brausen und die Runde ums Matterhorn nicht fehlen darf. Moritz Suter, der Gründer der Crossair, ist einer, der einen besonders engen Kontakt zum SAJ pflegt. Entsprechend oft reist man auch mit ihm kreuz und quer durch Europa. Unvergessen in diesem Zusammenhang ein Erstflug nach Irland, wo die Teilnehmer am späteren Abend in der Guinness-Brauerei abstürzen. Überragend auch der Trip nach Hongkong mit dem abenteuerlichen Anflug auf den alten Flughafen Kai Tak oder die Reise mit der neuen MD-11 nach Toronto mit anschliessendem Heliflug über den Niagarafällen. Erwähnenswert sicher auch der Ablieferungsflug des Jumbos Boeing 747 SUD (Streched Upper Deck) der Swissair, wo es zwischen der Stewardess Ruth Kessler und dem nachmaligen Schwyzer Ständeratspräsidenten Bruno Frick funkt.

Mit dem AC-4, in Oberrieden von Alfred Comte gebaut,  flog die Swissair ihre ersten Linienflüge, zum Beispiel vom Flughafen Dübendorf nach Luzern. 

 Auf den Knien um den brodelnden Vulkan St. Helens

Unvergessen bleibt auch der Flug der werksneuen Boeing 767-300 ER der Balair von Seattle nach Düsseldorf. Nach dem Start vom Painfield Airport fragt der Captain die Air Traffic Control, ob er eine Steigrunde um den immer noch aktiven Vulkan St. Helens machen dürfe. Bald klebt das Grüppchen der SAJ-Journalisten an den Fenstern und bestaunt den im Abendlicht erstrahlenden Vulkan, der seit der Explosion am 18. Mai 1980 um 400 Meter kleiner ist. Sie müssen das Formen- und Farbenszenario aber auf den Knien bewundern, denn Sitze gibt es nur in drei Reihen in der Mitte im vorderen Teil des nackten Rumpfes. Auf der Strecke serviert der Balair-Chefsteward im bereits funktionsfähigen Umluftofen erwärmte Speisen, die er noch kurz vor dem Abflug in einem Supermarkt ergattert hat. Während auf dem Überflug vom Steward organisierte Videos über die Bildschirme flimmern, verzieht sich Mediensprecherin Regula Laux in die hinteren Gefilde der leeren Kabine und rollt dort ihren Schlafsack aus. Als sich die Balair-Maschine in den frühen Morgenstunden bei der Düsseldorfer Ground Control anmeldet, weiss dort niemand etwas von einem BB 001-Flug. Das sorgt im Cockpit und am Boden für einige Hektik. Unaufgeregt ist dann der anschliessende Red-eye-Flug mit einem Jumbolino nach Zürich.

Die Balair kam gegen Ende im Papagei-look daher. Hier der Airbus A310.

Haften bleibt auch der Eröffnungsflug der Swissair nach Harare und die Flussfahrt auf dem Sambesi, wo das Kanu des damaligen CEO’s – wie man später im Blick lesen kann – von einem Flusspferd bedrängt wird. Dass sich die Berichterstattung dann in der grossen Boulevardzeitung auf das Intermezzo mit dem Hippo beschränkt, freut die Airline nicht besonders, hat sie doch für die Pressereise tief in die Tasche gegriffen und sich eine etwas umfassendere Resonanz erhofft. Auch die Reise mit der TAP nach Lissabon und Madeira ist zwar ein grossartiges Erlebnis mit vielen Höhepunkten, aber der Trip findet in den Medien einen derart dürftigen Niederschlag, dass die geplante zweite Reise kurzerhand abgesagt wird. Und Exkursionsorganisator Bernhard im Oberdorf, der einem Kollegen bei der ersten Reise den Vortritt lässt und sich auf die Zweitauflage freut (und in seiner Zeitung auch prominent darüber berichten will) bleibt auf der Strecke. Es zeigen sich erste Erosionen, was das Interesse der Medien an solchen Geschichten betrifft, und die Aviatikjournalisten haben mehr und mehr Mühe, Beiträge erfolgreich zu platzieren. Mit der Deregulierung im Luftverkehr ist ein erbitterter Konkurrenzkampf entstanden. Grosse Sparmassnahmen schütteln auch die Zeitungsverlage durch. Luftfahrtseiten werden gestrichen, der Reiseteil in den Tageszeitungen gekürzt, während auf der andern Seite bezahlte und entsprechend einseitig gefärbte Publi-Reportagen Urständ feiern – auch in renommierten Blättern. Auf dem Tiefpunkt angelangt ist man wohl, als es bei verschiedenen Redaktionen heisst: „Ok, du kannst mir eine Geschichte liefern, aber bezahlen kann ich dir nichts“. Nach einiger Zeit des Tiefflugs geht es sukzessive wieder in einen Steigflug über. Neue Aktivitäten stossen auf reges Interesse. Fredy Hugentobler, mit seinen Präsidentenbriefen „from the flight deck“ als Captain Hugentobler in die SAJ-Geschichte eingegangen, schafft mit den Kaminfeuergesprächen ein wertvolles neues Instrument, das bis heute gepflegt und geschätzt wird. Hier spricht man off the records auch über delikate Themen und pflegt einen vertrauensvollen Kontakt zu Behörden und Industrie. Der Rede und Gegenrede stellen sich unter anderem die CEO’s Alain Rossier (SkyGuide), Christoph Franz (Swiss), Peter Pfister (Helvetic), Hans-Ulrich Beyeler (SR Technics), Josef Felder (Flughafen Zürich), die Luftwaffenchefs Hansruedi Fehrlin und Aldo Schellenberg, Nationalrat und Schutzverbandspräsident Thomas Hardegger sowie der bekannte EADS-Testpilot Chris Worning. Unter Präsident Ruedi Gerber kommt es zu weiteren aviatischen Highlights wie dem Ausflug mit Turkish Airlines nach Istanbul, dem Trip mit Helvetic nach Bari oder die Reise mit Adria Airways ins Bärenland Slowenien. Und man erlebt mit dem Schweizerischen Hängegleiter-Verband einen Gleitschirmtag mit zähneklapperndem Tandemflug. Es wird eine gesunde finanzielle Basis geschaffen, die es der aktuellen Crew erlaubt, weitere attraktive Reisen anzubieten. Exkursionen mit Icelandair nach Island, mit der EL AL nach Israel, mit Air Baltic nach Riga und eine grossartige Inselhüpfertour mit dem Wasserflugzeug in Kroatien führen zu weiteren journalistischen Höhenflügen und finden ein grosses Medienecho. Erstmals ist eine Gruppe des SAJ auch bei der Nightway Kampagne in Norwegen dabei, wo die jungen F/A-18-Piloten den Air policing-Einsatz bei Nacht üben.

 

Luftkämpfe und Vorstoss in die Stratosphäre

Auch die militärische Luftfahrt ist bei den Aviatikjournalisten ein grosses Thema. Einige Aktive setzen sich vertieft mit Flugzeugbeschaffungen, Endmontagen in der Schweiz und Fragen der Luftverteidigung und Bedrohung auseinander. Bei den Evaluationen, Erprobungen und Einführungen von Tiger, Hornet, Hawk, Superpuma, Eurocopter, PC-7, PC-9 und PC-21 sind die fachkundigen Journalisten bei den Medien besonders gefragt. Es ist auch die Zeit, in der die ersten Journalisten und Fotografen in die Cockpits der Kampfflugzeuge steigen und packende Reportagen über Dogfights, Dämmerungsflüge oder die Patrouille Suisse nach Hause bringen. Die hautnahen Erlebnisberichte und atemberaubenden Shots von Dölf Preisig, Ronald Sonderegger und Hansjörg Egger finden Niederschlag in den grossen Illustrierten, Tageszeitungen und Büchern und gewähren Einblick in die Ausbildung und den fesselnden Alltag der Militärpiloten.

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Wilde Zeiten: Ein Hunter beschiesst Ziele im Greifensee, und Betonbomben fallen vom Himmel. Rechts der ehemalige Kommandoturm.

Die Zeiten von damals sind nicht mehr zu vergleichen mit den heutigen. Die ersten Düsenjäger Venom und Vampire fliegt man noch mit der Lederkappe, den Knüppel muss man in Steilkurven mit beiden Händen halten, und bei Nachtflügen wird eine Taschenlampe in den Mund gesteckt, um die Instrumente besser ablesen zu können. Über dem Pfäffiker- und Greifensee fliegen Betonbomben vom Himmel und es wird auf schwimmende Ziele geschossen. Es gibt den Jato-Start mit schwarzqualmenden Starthilfsraketen, und die Mirage stösst mit dem salpetersäure-betriebenen Raketenzusatztriebwerk bis weit in die Stratosphäre vor. Im Training für die von zehntausenden besuchten jährlichen Flugshows kommt es auch mal vor, dass Teile eines Flugzeugs in den Überschallbereich gelangen und am Boden Scheiben klirren. Und die Demo- und Schauflüge werden so tief angesetzt, dass Zwerch- und Trommelfell der Zuschauer ins Vibrieren geraten.

Die ersten Donnervögel und der Mondspaziergänger

Auch die Entwicklung der 1952 gegründeten Rega zu einer weltweit beispielhaften Rettungsorganisation wird aktiv verfolgt, etwa im Juni 1984 am Einführungskurs für die Flughelfer im Zivilschutzzentrum Sempach. Manch einer berichtet über einen Repatriierungsflug aus irgend einem exotischen Land oder lässt sich bei einer Übung aus einer Gletscherspalte hieven. Grosse Betroffenheit lösen Flugzeugkatastrophen wie jene von Lockerbie 1988 oder Halifax 1998, aber auch das Grounding und der darauf folgende Zusammenbruch der Swissair 2001 aus. Mehr und mehr werden Aviatikjournalisten gerade bei solchen Ereignissen als Experten zugezogen. Vom Schweizer Fernsehen über Radio 24 bis zu Radio Moskau stehen SAJ-Sachverständige bis zum heutigen Tag den Massenmedien Red und Antwort. Viel Beachtung findet 2014 die Sondersendung von Schweiz aktuell, die neun Stunden live vom Flughafen Zürich berichtet und von Fernsehmann und Vorstandsmitglied Michael Weinmann moderiert wird.

Repatriierung im Rega-Jet.

Neue Dienstleistung: Patienten werden aus der ganzen Welt mit dem Rega-Jet nach Hause geflogen.

Der Flughafen gerät mehr und mehr in den Brennpunkt der Öffentlichkeit und der Politik: Abstimmungsplakate von damals.

Von Vertrauen geprägte Kontakte unterhalten die Aviatikjournalisten auch zu den Instanzen des Bundes und den verschiedenen Firmen und Organisationen der General Aviation. Wirtschaftliche Themen rund um die Fliegerei rücken immer mehr in den Fokus. Bald gehört auch der Besuch der Bilanzpressekonferenzen der Airlines zu den journalistischen Pflichten. Und die Medien setzen sich mit der Umweltproblematik kritisch auseinander. Die Einführung der ersten Strahltriebwerke in den frühen sechziger Jahren lösen rund um den Flughafen Zürich erste erbitterte Lärmdiskussionen aus. Es ist allen voran die zwar formschöne, aber röhrende und donnernde Caravelle, die zur Bildung der ersten Lärmfront beiträgt und schliesslich die Gründung des Schutzverbandes der Bevölkerung rund um den Flughafen Zürich befeuert. Heiss diskutiert und kommentiert wird auch das Nachtflugverbot, das 1972 in der Schweiz eingeführt wird und zur Einstellung der billigen Nachtflüge führt.

Peter Staub Armin Baltenschweiler

Stets in respektvollem und freundschaftlichem Kontakt mit den Airline-Chefs. Peter Staub, der langjährige Schutzverbandspräsident und Robert Staubli, Direktionspräsident der Swissair. 

 

Früh erkennt man die Notwendigkeit, die verschiedenen Verkehrsmittel nicht gegeneinander auszuspielen, sondern sinnvoll miteinander zu verknüpfen. So ist der SAJ 1978 mit der Fachtagung Flügel oder Räder? der Zeit schon weit voraus. Das Thema findet 1998 mit dem von Kurt Metz organisierten Seminar Öffentlicher Verkehr – Schnittstelle Flughafen eine Fortsetzung. Anschliessend wird das Tagesthema auf einer Studienreise nach London noch vertieft. Auf grosses Interesse stösst im Oktober 2014 auch das von Jan Karbe initiierte Fachseminar über Flugunfälle, das in Zusammenarbeit mit der Kapo Zürich und der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle durchgeführt wird und mit vielen aufschlussreichen Beispielen aus der Praxis aufwartet.

Die Seminartätigkeit hat beim SAJ eine lange Tradition. Erste Fachveranstaltung mit so spannenden Themen wie Pilot, Roboter oder Supermann? führt der Radiojournalist Walter Senn bereits in den siebziger Jahren durch. 1978 organisiert der umtriebige damalige SAJ-Präsident in Emmen ein zweitägiges internationales Luftfahrtsymposium. Der Grossanlass zum Thema Flugzeugführung wird von 115 Fachjournalisten aus zehn europäischen Ländern besucht. Als Ehrengast kann Walti Senn den US-Astronauten Charles Conrad gewinnen, der mit Apollo 12 1969 als zweiter Mensch die Mondoberfläche betreten hat. Der in Zürich angekommene berühmte Astronaut und Flieger konnte gleich in die Ju-52 umsteigen und den Flugzeugveteranen eigenhändig nach Emmen pilotieren. „Der Mann im Mond hat vor lauter Freude fast in die Hose gemacht“, erinnert sich Walter Senn. Natürlich ist die Bude beim anschliessenden Stelldichein im Verkehrshaus proppenvoll. Aber es gibt Honoratioren, die dem Festakt aus Missmut fernbleiben, weil sie es im Unterschied zum kleinen SAJ nie geschafft haben, den weltberühmten Mondspaziergänger für einen Anlass zu gewinnen. Weitere vielbeachtete Seminare und Fachtagungen finden zu Themen wie Luftfahrtpolitik (mit Bundesrat Adolf Ogi) oder Luftverkehr nach dem Golfkrieg statt.

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Die Weltpresse berichtete damals prominent über den Besuch des Mondspaziergängers Charles „Pete“ Conrad. Er bereiste die Schweiz auf Einladung von Walter Senn, der den Studienzirkel präsidierte, wie unsere Vereinigung damals noch hiess. Rechts der Brief des Apollo-Astronauten an die Schweizer Luftfahrtjournalisten.

 

Tief im Berg in einer Kaverne des ehemaligen Militärflugplatzes in St. Stephan verbirgt sich der „fliegende Rochen“ vom Simmental, den der Erfinder Andreas Reinhard entwickelt hat.

 Explosion an der GV und ein vergessenes Jubiläum

Einen besonderen Stellenwert nehmen beim SAJ die Generalversammlungen ein. In früheren Zeiten fliegt man sogar irgend an einen netten Ort, um dort nach den ordentlichen Geschäften noch ein paar erholsame Stunden in angenehmer Umgebung geniessen zu können. So schwebt man 1986 samt Partnerin oder Partner auf der Insel Malta ein und logiert im Dragonara Palace. Ein Jahr später jetten über fünfzig SAJ-Mitglieder und Angehörige zur GV nach Hamburg. Auch hier standesgemäss untergebracht im wohl berühmtesten (und teuersten) Hotel am Platz, dem Atlantic Kempinski. Mit zum Programm gehören die Besichtigung einer Flugzeugwerft , eine Hafenrundfahrt und der Besuch des Musicals Cats. Aus einem ganz anderen Grund verdient die Generalversammlung vom 8. März 1994 festgehalten zu werden. Sie findet bei der Oerlikon-Contraves statt und ist dem Thema Raumfahrt gewidmet. Als die Besucher auf dem Fabrikgelände eintreffen, erschüttert eine gewaltige Explosion das Areal. Flammen schiessen in den Himmel und ein mächtiger Rauchpilz türmt sich hinter dem Fabrikgebäude auf. Es ist der Tag, an dem im nahe gelegenen Bahnhof Zürich-Affoltern ein vollbeladener Kesselwagenzug entgleist und explodiert. Es versteht sich, dass das Interesse der Journalisten nun mehr dem Inferno gilt, als den Traktanden der Generalversammlung.

Astronaut Claude Nicollier.

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Nach der Privatisierung des Flughafens Zürich. Die Geschäftsleitung.

Das 25-Jahr-Jubiläum des SAJ ging schlichtweg vergessen. Was aber niemand bereute nach dem fulminanten Festanlass zum Dreissigjährigen. Wie dem Protokoll zu entnehmen ist, treffen die Teilnehmer am 20. Oktober 1989 nach einem festlichen Auftakt im Verkehrshaus mit dem Schiff um 14 Uhr in aufgeräumter Stimmung in Kastanienbaum ein. Im prächtig gelegenen Seehotel erwartet die sechzig Personen, Ehrengäste und Mitglieder mit Damen, ein Festbankett Surprise. Wie Zeitzeugen berichten, wird das Traktandum Festmenü nicht mit Akklamation, sondern mit gemeinsamem Zungenschnalzen genehmigt. Es folgen launige Grussadressen von Armin Baltensweiler, Verwaltungsratspräsident der Swissair, Korpskommandant Ernst Wyler und dem späteren Luftwaffenchef Werner Jung. Die grosse Tombola mit den attraktiven (P)Reisen sorgt bei der Festgesellschaft für ganz besondere Hochspannung. Doch wie es der Zufall manchmal so richtet, gewannen die hohen Herren am Ehrentisch, die alle schon weit herum gekommen sind in der Welt, die tollsten und teuersten Reisen. Und jener, der einen wertvollen historischen Flugzeugpropeller für die Tombola organisiert hat, gewinnt das Prunkstück am Ende selber – und darf es wieder nach Hause abschleppen.

 

Zwanzig Jahre später, am 25. August 2010 kann der SAJ dann sein 50-Jahr-Jubiläum feiern. Es sollte hoch hinaus gehen in alpine Sphären, doch das Wetter spielt nicht mit und macht eine Gletscherlandung im ewigen Eis von Les Diablerets unmöglich. Stattdessen fliegt die Jubiläumsgesellschaft mit verschiedensten Flugzeugtypen zum Simmentaler Gebirgsflugplatz St. Stephan, wo sie vom Ufo-Kapitän und Daniel-Düsentrieb Andreas Reinhard in die Welt der fantastischen und futuristischen Flugkörper entführt werden. Zu einem kribbeligen Höhenflug kommen wagemutige Aviatikjournalisten aber trotz Nebelvorhang und Nullsicht doch noch – im Bob des Alpine Coasters auf dem Glacier 3000.

 

Die Präsidenten

Heinz Klimm, Redaktor TAT. 1959 bis 1970.

 Alex Stirnemann, Chefredaktor AeroRevue. 1970 bis 1972.

 Walter Senn, Moderator Schweizer Radio 1972 bis 1981.

 Erich Meier Redaktor NZZ. 1981 bis 1990.

 Peter Marthaler Bundeshausredaktor Schweizer Fernsehen. 1994 bis 1997.

 Alfred Hugentobler Redaktor Handelszeitung. Freelance 1997 bis 2005.

 Rudolf Gerber Chefredaktor Der Landbote. 2005 bis 2014.

 Hansjörg Egger Redaktor Tages-Anzeiger,

Fotograf DER SPIEGEL, Freelance. Seit 2014.

 

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  Die Gründer des Studienzirkels

Heinz Klimm (Präsident), Redaktor TAT

 Walter Wehrle (Initiator und erster Sekretär), Chefredaktor Sportinformation SI

 Edmund Richner, Redaktor NZZ und grosser Flughafenförderer

 Eugen Dietschi, Redaktor National Zeitung, National- und Ständerat

 Karl Mock, Sportchef Tages-Anzeiger

 Ernst Trechsel, Redaktor SPK

 Paul Ackermann, Redaktor Volksrecht

 Otto Frauenlob Redaktor Berner Bund

 Alex Stirnemann, Chefredaktor AeroRevue

 Hermann Heller, Redaktor Luzerner Tagblatt

 Oberst Philipp Vacano, Redaktor Flug-Revue

 Harry von Graffenried, Freelance-Journalist und Kabarettist

 

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                                                         Ehrenmitglieder

Alfred Hugentobler, Ulrich Haller, Walter Senn

 

                                                                                                                      ***

  Prominente Ehemalige

 Markus Gröber, NZZ/Zürcher Oberländer

Max Korthals, Chefredaktor SPK

Alfred Spaltenstein, Stv. Chefredaktor Landbote

Licinio Valsangiacomo, Tages-Anzeiger

Marcel Waeber, Tages-Anzeiger

Roland Jeanneret, Schweizer Radio

Erhard von Szabel, Chefredaktor Zürichbieter / Zürcher Unterländer

Walter Schiesser, NZZ

Ulrich Dörfel, TAT

Matthias Saxer, NZZ

Norbert Hobmeier, Tages- Anzeiger, Infochef Rega

Alice Göldi, aus Basel, erste und lange Zeit einzige Frau beim SAJ

Xavier Bregenzer, Pressechef Swissair

Hansruedi Gasser, Lokomotivführer und Hobbyjournalist mit grossem aviatischem Fachwissen

Giuseppe Biscossa, Giornale del Popolo, Schriftsteller, Abenteurer, Theaterfachmann

Hans Ruedi Häberli, Informationschef der Luftwaffe

Hansjürg Klossner, Infochef Bundesamt für Militärflugplätze Bamf

Georg Auf der Maur, Schweizer Radio

Peter Gutknecht, Kommunikationschef Flughafen Zürich, Pressesprecher Swissair

Werner Bucher, Blick

Dölf Preisig, Schweizer Illustrierte

Ronald Sonderegger, Schweizer Illustrierte

Klaus Streif, Redaktor Aargauer Zeitung

Alfred Waldis, Ehrenpräsident Verkehrshaus

 

(Die Liste erhebt keine Anspruch auf Vollständigkeit)

 

Die Geschichte des SAJ wurde aufgearbeitet und redigiert von Hansjörg Egger. Zum historischen Teil wesentlich beigetragen haben das ehemaligen Vorstandsmitglied Alfred Spaltenstein sowie die einstigen Präsidenten Alfred A. Hugentobler und Walter Senn). Die historischen und aktuellen Fotos stammen aus dem Archiv von Hansjörg Egger.

                                                                  Per ardua ad astra !